Georg-Peter Wilhelm-Orgel (1802)

Wilhelm-Orgel Stiftskirche Kaufungen
Wilhelm-Orgel auf der Kaiserempore

Die Wilhelm-Orgel auf der Kaiserempore in der Stiftskirche Kaufungen ist ein kulturhistorisch wichtiges Denkmalsinstrument von überregionaler Bedeutung.

 

Das Werk wurde von Georg Peter Wilhelm (1733-1806) im Jahr 1802 fertiggestellt. Wilhelm hatte im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die privilegierte Position des Hoforgelbauers am Kasseler Hof inne.

 

Die bedeutendsten Instrumente aus seiner Werkstatt sind mit Ausnahme der Oberkaufunger Orgel in der Zwischenzeit entweder verloren gegangen oder so stark verändert, dass ihre ursprüngliche künstlerische Intention nicht mehr oder kaum mehr zu erkennen ist.

 

Im Vergleich zu den in nur wenigen Werkteilen erhaltenen Orgeln ist bemerkenswert, dass die Kaufunger Wilhelm-Orgel noch einen beträchtlichen Anteil an Originalsubstanz in sich birgt, beispielsweise die drei großen Keilbälge, Teile der Spiel- und Registermechanik sowie neben einigem Pfeifenwerk auch Teile der Zungenregister Posaune 16´ (Pedal) und Trompete 8´(Hauptwerk).

 

Die Wilhelm-Orgel ist mit ihren 21 Registern auf zwei Manualen und Pedal für den damaligen Orgelbau in Nordhessen ungewöhnlich groß – damit aber auch der Bedeutung und der räumlichen Ausdehnung der Stiftskirche gegenüber angemessen dimensioniert.

 

Mit ihrer Klangvielfalt, die sich aus der Registerzusammenstellung ergibt, steht sie für die Stilwende vom Spätbarock zur Klassik bis hin zur Frühromantik.

 

Repräsentative Instrumente aus der Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert sind in Nordhessen fast nicht mehr zu finden. An den wenigen Orten, wo sie ganz oder in weiten Teilen erhalten sind, müssen sie für die Zukunft bewahrt werden, weil sie Auskunft über die künstlerischen Gedanken aus dieser Zeit geben können und so beredte Zeugnisse für das künstlerische Handeln sind.

 

Daher stellt die Georg-Peter Wilhelm-Orgel von 1802 einbesonderes Kleinod in der als nationales Kulturgut eingestuften Stiftskirche dar, das weit über die Grenzen Kaufungens hinaus von besonderer Bedeutung ist.